Helsinki/Pinneberg: Neonazimord in Finnland

Am 10. September 2016 hielt die finnische Neonazi-Gruppe „Finnische Widerstandsbewegung“ (Suomen Vastarintaliike, SVL/ eine Gruppe der NMR „Nordische Widerstandsbewegung“ mit ablegern auch in Schweden, Norwegen, Dänemark) eine Kundgebung im Zentrum von Helsinki ab. Um die 20 Neonazis hatten sich versammelt, stellten sich mit ihren Fahnen auf und verteilten Flugblätter. Gegen Mittag kam Jimi Joonas Karttunen zufällig an der Neonazikundgebung vorbei. Er brachte deutlich zum Ausdruck was er von den Neonazis hielt. Einige von ihnen gingen sofort zum Angriff über und schlugen Karttunen zu Boden. Bei dem Angriff wurde Jimi Joonas Karttunen bewusstlos geschlagen und kam auf  die Intensivstation ins Krankenhaus. Nach einigen Tagen wurde er entlassen. Am 16. September verschlechterte sich sein Zustand dramatisch und als die Rettungskräfte eintrafen, war er schon bewusstlos. Er starb um 22 Uhr an einer Hirnblutung. Er wurde nur 28 Jahre alt.

Die Neonazis der SVL versuchen schon seit geraumer Zeit sich als sehr militante und aggressive Organisation zu profilieren. Tatsächlich gehen einige Gewalttaten und Übergriffe auf das Konto der SVL Neonazis. So z.B. am 30.1.2013 attackierte eine Gruppe zum Teil mit Messern bewaffneter Neonazis eine Veranstaltung in der Stadtbibliothek von Jyväskylä, darunter auch Neonazis von der SVL. Die SVL wird auch für weitere Angriffe in den letzten Jahren verantwortlich gemacht. So wurden zum Beispiel einige Mitglieder der Gruppe nach einem Pfefferspray- / Tränengasangriff 2010 auf eine Parade des Helsinki Gay Pride Festivals verurteilt. Ein weiterer Angriff fand 2011 statt, als Mitglieder der Gruppe ein alternatives Kunstzentrum in Tampere attackierten. Auch griffen sie mehrfach Einzelpersonen mit Pfefferspray an, so zum Beispiel auch den Gewerkschaftler und Politiker Dan Koivulaakso während eines öffentlichen Treffens mit homosexuellen Asylsuchenden 2012.

Außerdem ist die Suomen Vastarintaliike international sehr vernetzt. Sie waren bereits häufig Gastgeber für verschiedene nationalsozialistische Redner und organisierten Konzerte mit Nazibands, so wurde z.B. ein Konzert der Bremer Nazi-Band „Kategorie C – Hungrige Wölfe“ im August 2016 beworben. Am 22.10.11 veranstalteten sie ein Seminar, zu dem sie neben schwedischen Nazigruppen auch Referent_innen der „CasaPound Italia“ und der „Freien Nationalen Strukturen“ aus Deutschland einluden. Auch werden sie selbst von verschiedenen Naziorganisationen im Ausland eingeladen. So hielten Mitglieder der Gruppe eine geschichtsrevisionistische Rede während des Naziaufmarsches in Dresden 2012. Auch eine Verbindung zu der Neonazi Gruppe „JugendPinneberg“ die sich nach Eigenangaben aus „Freie Kameraden“ aus Pinneberg, Elbmarsch, Schenefeld, Halstenbek, Barmstedt, Uetersen, Tornesch, Elmshorn, Wedel, Quickborn, Bokel, Moorrege, Appen, Borstel und Rellingen zusammensetzt, gibt es. So schreiben die Neonazis aus dem Kreis Pinneberg seit dem Naziaufmarsch am 13.02.2012 in Dresden von ihrer Vernetzung mit den finnischen Neonazis. Nach dem Messerangriff in der Stadtbibliothek von Jyväskylä 2013 wurde auf der Internetpräsenz der Gruppe ein Solidaritätsnote veröffentlicht. Im November 2014 reisten mehrere Nazis aus Pinneberg nach Finnland um einen Vortag zum „Tag der deutschen Zukunft“ in Turku bei ihrer Finnland Rundreise zu halten.

Das finnische Antifa Netzwerk Varis hat die meisten der Neonazis von der SVL Kundgebung vom 10. September identifiziert und die gewalttätige Vergangenheit von einigen Neonazi-Aktivistenöffentlich gemacht.

Das ein Passant, der sich kritisch äusserst, von den Neonazis angegriffen wird, ist also nicht die Ausnahme sondern die logische Konsequenz ihrer Ideologie und Auftretens.

Neonazimord in Finnland – AIB

Remembering means Fighting!