Vor 20 Jahren wurde Wolfgang Grams in Bad Kleinen getötet


In Bad Kleinen, einem 3.500-Seelen-Nest in Mecklenburg-Vorpommern, im Nord-Osten der Republik, stürmt am 27. Juni 1993 ein Kommando der Spezialeinheit GSG 9 in einer spektakulären Aktion die Tunnelunterführung des Bahnhofs. Der Auftrag: Die Festnahme der beiden mutmaßlichen RAF-Terroristen Wolfgang Grams und Birgit Hogefeld. Das wäre ein wichtiger Erfolg im seit Jahren ohne sichtbares Ergebnis geführten Kampf gegen die „Rote Armee Fraktion“. Aber der Zugriff läuft aus dem Ruder. Am Ende des Tages sind zwei Tote zu beklagen: Wolfgang Grams und der junge GSG 9-Beamte Michael Newrzella. Doch damit nicht genug. Die Ermittlungen gestalten sich chaotisch, stecken voller Pannen, die Informationspolitik der Sicherheitsbehörden ist widersprüchlich und lückenhaft. Das Gerücht wird laut, ein GSG 9-Beamter habe den wehrlosen Grams erschossen. Von Staatsterrorismus ist die Rede. Und noch schlimmer: Den Ermittlungsbehörden wird vorgeworfen, diese Exekution zu vertuschen. Der Rechtsstaat der Bundesrepublik scheint in seinen Grundfesten erschüttert. Erst Tage später legen die Ermittlungsbehörden die Fakten auf den Tisch: Dreh- und Angelpunkt der Aktion auf dem Bahnhof von Bad Kleinen war ein V-Mann, den der Verfassungsschutz Rheinland-Pfalz in die RAF eingeschleust hatte. Seine Anwesenheit hat den Zugriff beeinflusst, seine Existenz die katastrophale Informationspolitik geprägt. Bis heute ist nicht im Detail geklärt, wie es zum Tod von Wolfgang Grams kam, und damit fällt auch ein sehr trübes Licht auf die Behörde, die qua Auftrag für die Gewährleistung der inneren Sicherheit zuständig ist: der Verfassungsschutz. Die Geschichte der dramatisch schief gegangenen Polizeiaktion am Provinzbahnhof von Bad Kleinen zeigt exemplarisch das folgenreiche Kompetenzgerangel zwischen Staatsschutz und Strafverfolgungsbehörden – und der Rückblick macht klar, dass daran bis heute nichts entscheidend geändert worden ist.

Das ist die Beschreibung für einen Film über Wolfgang Grams ermordung, der am 2. Juli auf Arte um 8:55 zu sehen ist.

Am 27.06. gibt es im Neuen Deutschland ein Interview, von Antifaschistinnen aus Göttingen.

Hintergrundinformationen und Artikel: 27.6.1993 – 2013 | 20 Jahre nach dem Tod von Wolfgang Grams“>27.6.1993 – 2013 |“Glaubt den Lügen der Mörder nicht!“

Mehrere Bands erinnerten in ihren Songs an Wolfgang Grams. So z.B. Slime mit dem Lied Gewalt oder Wizo mit dem Lied Kopfschuss.

Infoseite: 10 Jahre nach dem Tod von Wolfgang Grams
„Glaubt den Lügen der Mörder nicht!“ badkleinen.sooderso.net