Ausblenden, Beleidigen, Verleugnen

Im Verlaufe der Auseinandersetzung, um die Ausstellung A. Paul Webers, ist der Pinneberger Kreispräsident und vorsitzende der Drosteistiftung Tiemann sicherlich nicht dadurch aufgefallen, besonders empfänglich für Kritik zu sein. Ganz im Gegenteil, eher machte Tiemann von sich reden, indem er den Kritikern der Ausstellung mit arroganten Beleidigungen begegnete. So sagte er bereits Anfang Dezember dem Pinneberger Tageblatt: „Es ist schade, wenn sich jemand so zu Wort meldet, der nur 20 Prozent des nötigen Wissens zu diesem Thema hat.“
Doch Tiemanns jüngsten Ausbrüche sind nicht nur stumpf und unqualifiziert, sondern regelrecht erschreckend: „Das ist unter den Nazis praktiziert worden und sollte im demokratischen Deutschland der Vergangenheit angehören“. Es ist traurig genug, wenn er, als Mitverantwortlicher der Ausstellung, vor jeglicher Kritik die Augen verschließt, doch mit dieser Aussage hat er sich endgültig disqualifiziert.
Nun ist es ausgerechnet Tiemann, der einen Vorkämpfer der „Nationalen Revolution“ unkommentiert ausstellt und jenen, die dies kritisieren, vorwirft Nazipraktiken zu verwenden, am 27. Januar zum Holocaustgedenktag einlädt. Ein würdiges Gedenken setzt eine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit voraus. Gerade hier hat sich Tiemann jedoch unglaubwürdig gemacht. Er hat sich gegen die kritische Auseinandersetzung um Webers gesträubt und den Begriff des Nazis zum billigen Kampfbegriff gemacht, und damit verharmlost, um seine Gegner zu diffamieren. Passend dazu ist es auch, dass man auf der Webseite der Drostei nichts über die Vergangenheit dieser während des Nationalsozialismus erfährt. Hier heißt es schlicht: „Später wurde die Drostei Dienstsitz des Landrats des Kreises Pinneberg (bis 1933), danach viele Jahre Katasteramt. 1965 wurde das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt.“ Tatsächlich war die Drostei ab November 1933 SA-Heim. Das Gedenken an den Holocaust ist ohne Frage wichtig, gerade an Orten, die Schauplatz des Nationalsozialismus waren, wie die Drostei eignen sich besonders, da hier ein klarer Bezug zur Geschichte besteht. Dies macht selbstverständlich nur Sinn, wenn diese Geschichte auch offen gelegt wird.

Gegen das Vergessen, für ein würdiges Gedenken!