Offener Brief an die Veranstalter_innen der Ausstellung von Andreas Paul Weber im Kreis Pinneberg

Am 08.12. eröffnen Sie in der Landdrostei eine Ausstellung von A. Paul Weber. Sie Bewerben Weber als „Meister der zeitlos gültigen Gesellschaftskritik“ der „in kleinsten und feinsten Linien, mit Liebe zum Detail und dem Blick für den großen Zusammenhang […]Missstände in Politik, Gesellschaft, Kirche und Justiz [entlarvt]“.
Wir sind über den unkritischen Umgang mit einem Künstler wie Weber äußerst schockiert. Schon in den Weimarer Republik fertigte Weber völkische und antisemitische Zeichnungen an, so wie das Werbeplakat für Artur Dinters Buch „Sünde wider das Blut“, oder die Illustraionen des Buches von Manfred von Killinger „Ernstes und Heiteres aus dem Putschleben“. Außerdem war Weber Mitherausgeber der Zeitung „Widerstand– Zeitschrift für nationalrevolutionäre Politik“ von Ernst Niekisch, wo
Hitler von rechts her kritisiert wurde. Weber Niekisch und andere Unterstützer_innen des Nationalbolschewismus vertraten ein Programm, in dem Hitler und die NSDAP als zu lasch galten und immer noch mit dem verhassten Parlamentarismus der Weimarer Republik verbunden waren.
Für Webers Antifaschismus wird vor allem seine halbjährige Haft 1937 nach Niekischs Verhaftung hervorgehoben. Anders als Niekisch, der zu lebenslänglich verurteilt wurde, kam Weber ohne Verhandlung frei. In den folgenden Jahren verdiente Weber sein Geld jedoch nicht nur mit Aufträgen wie dem Entwurf des Pinneberger Stadtwappens. Sondern auch
durch Aufträge des NS-Staats zur Zeichnung von NS-Kriegspropaganda. Im Juli 1940 erhielt Weber und andere als politisch beste Karikaturisten Sondervergütung von 1000 Mark vom NS-Staat. Der von Weber gestalteten Band „Soldatengeist“ von Ludwig Weissauer wurde 1941 vom Reichsführer der SS Heinrich Himmler mit einem Geleitwort geehrt. Auch war Weber bei der Ausstellung „Junge Kunst im Deutschen Reich“ von Baldur von Schirach dabei und bei einem Sommerfest 1943 von Joseph Goebbels im Garten der Reichskanzlei.
Wo Sie in den antisemitischen Zeichnungen und der NS-Kriegspropaganda von Weber „zeitlos gültige Gesellschaftskritik“ sehen bleibt uns schleierhaft und schockiert uns.
Bitte überdenken Sie ob diesen Künstler so unkritisch so viel Raum eingeräumt werd soll. Das durch Ihre Ausstellung Weber eine Präsenz im aktuellen Kulturleben im Kreis Pinneberg erhält ist ein Skandal! Wir fordern von Ihnen als AusstellerInnen eine kritische Auseinandersetzung mit dem Künstler Weber und raten Ihnen die Veranstaltungen in der Drostei in Pinneberg, im Torhaus Elmshorn und in der Barmstedter Galerie III abzusagen! Die Legende von Andreas Paul Webers Antifaschismus zerstören!

Mit antifaschistischen Grüßen,

Antifa Pinneberg
http://antifapinneberg.blogsport.de

Weitere links:
http://de.wikipedia.org/wiki/A._Paul_Weber

http://www.shortnews.de/id/270444/Bekannter-NS-Kritiker-wird-des-Antisemitismus-bezichtigt

http://www.welt.de/print-welt/article552058/Wie-ein-Antisemit-zum-Antifaschisten-geadelt-wurde.html

http://www.graswurzel.net/261/weber.shtml

http://www.welt.de/print-welt/article462398/Kunstvoll-camouflierter-Opportunismus.html

Auserdem :
Antifaschistisches Infoblatt Nr. 65 (Antidemokrat und Hitlergegner – Politik im Leben und Werk des A. Paul Weber)

Schriften der Erich-Mühsam-Gesellschaft, Heft 18 („Mühsam und so weiter, was waren das für Namen … “ – Zeitgeist und Zynismus im nationalistisch-antisemitischen Werk des Graphikers A. Paul Weber.)