8.Mai 2010 in der lokalen Presse

Zeitungsbericht zum 8.Mai Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus im Kreis Pinneberg am 8.Mai 2010:

    Als die Briten weiße Tücher sahen

Für die einen ist der heutige 8. Mai ein Tag, an dem vor 65 Jahren die Deutsche Wehrmacht kapitulierte. Für andere ist dies ein Datum der Befreiung, denn mit dem 8. Mai 1945 ging die NS-Schreckensherrschaft in Deutschland und Europa zu Ende. Millionen unschuldiger Menschen hatten damals durch den NS-Terror ihr Leben verloren.

Grund genug, im Kreis Pinneberg mit Veranstaltungen an die Befreiung und das Kriegsende zu erinnern, das in dieser Region ohne Blutvergießen verlief. Die einrückenden englischen Truppen sahen 1945, wie in Elmshorn, weiße Tücher an den Fenstern hängen

In Pinneberg wollen die jüdische Gemeinde und die „Antifaschistische Initiative Kreis Pinneberg“ heute ab 14 Uhr auf dem Rathausplatz eine Kundgebung abhalten. Nach Angaben von Wolfgang Seibert, dem 62 Jahre alten Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde, soll dort am Gedenkstein ein Kranz für drei, von den Nazis verfolgte Pinneberger Widerstandskämpfer niedergelegt werden. Wilhelm Schmitt starb im Mai 1945 an Bord des Häftlingsschiffs „Cap Arcona“, Heinrich Boschen erlag 1944 den Folgen der Haftbedingung im KZ Neuengamme und Heinrich Geick starb in einem Gefängnis in Neumünster. Am Sonntag, 9. Mai, ist in der jüdischen Gemeinde in Pinneberg ab 15 Uhr ein Gottesdienst für die gefallenen jüdischen Soldaten in allen alliierten Armeen, die im Zweiten Weltkrieg kämpften, geplant. An ihm nimmt der Landesrabbiner von Schleswig-Holstein, Walter Rothschild, teil. „Viele Deutsche sehen den 8. Mai als Tag der Niederlage, sie verstehen nicht, dass sie auch befreit wurden“, sagte Seibert. Nach dem Gottesdienst gebe es ein Grillfest zur „Befreiung vom Faschismus“.

In Elmshorn ist für heute ein antifaschistischer Stadtrundgang mit Bürgermeisterin Dr. Brigitte Fronzek (SPD) geplant. Treffpunkt ist um 11 Uhr auf dem Elmshorner Bahnhofsvorplatz. Elmshorn hatte sich selbst von den Nazis befreit.

Der Sozialdemokrat Erich Arp und der Kommunist Arthur Geißler hatten am 3. Mai 1945 Aufrufe zum Hissen von weißen Flaggen verteilt. Das wurde von der Bevölkerung befolgt. Und so sahen die einrückenden britischen Truppen Bettlaken an den Häusern.

Arbeit am Buch

„Wedel unterm Hakenkreuz“

Auch in Wedel, wo es keine deutschen Truppen mehr gab, verlief der Einmarsch der Briten ohne Probleme. Heute sind keine Veranstaltungen anlässlich des Endes des Zweiten Weltkriegs geplant. Das werde am 30. Mai nachgeholt, sagte der Journalist Günther Wilke, der sich seit Jahren mit der Geschichte der Stadt befasst. Er arbeitet zur Zeit mit seiner Frau Marianne an einem Buch mit dem Titel: „Wedel unterm Hakenkreuz“.

Am 30. Mai soll am Gedenkstein für die Opfer des KZ Neuengamme an der Rissener Straße eine Kundgebung veranstaltet werden. „Dort werden die Namen aller 26 Opfer verlesen“, kündigte Wilke an. Bis vor kurzer Zeit seien nur 23 Namen bekannt gewesen. Durch jüngste Forschungen konnten die noch fehlenden drei Namen ermittelt werden, sagte Wilke. In Wedel wurde während des Zweiten Weltkriegs kurzfristig ein Außenlager des KZ Neuengamme errichtet.

In Uetersen beendeten britische Panzerverbände am 4. Mai 1945 die NS-Herrschaft. Sie kamen von Moorrege über die Pinnau in die Stadt. Wenige Tage vor dem Einmarsch der Briten wurde ein Versorgungsdepot der deutschen Marine in der Rosenstadt aufgelöst. Ein Offizier hatte dem Uetersener Bürgermeister per Vertrag die Marinebestände mit Lebensmitteln und Medikamenten überlassen. Im Chaos des Zusammenbruchs war das für die Zivilbevölkerung unersetzbar. Tausenden von Menschen konnte in Lazaretten und im Krankenhaus geholfen werden.